Digitale Kundenführung
Was Kunden von der Zusammenarbeit mit Dir erinnern – und warum das Ende wichtiger ist als Du denkst
Ein Experiment mit eiskaltem Wasser zeigt, dass Menschen Erlebnisse nicht als Summe erinnern. Für Weiterempfehlungen ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse überhaupt.
Ein psychologisches Experiment, veröffentlicht 1993. Die Versuchspersonen halten eine Hand in Wasser mit 14 Grad. Das ist kalt genug, um nach kurzer Zeit wehzutun. Nach 60 Sekunden ist es vorbei.
Später der zweite Durchgang, mit der anderen Hand. Wieder 60 Sekunden bei 14 Grad. Doch diesmal bleibt die Hand noch 30 Sekunden länger im Wasser – während die Temperatur langsam um etwa ein Grad steigt. Immer noch unangenehm. Nur etwas weniger.
Objektiv ist der zweite Durchgang schlechter. Er enthält alles vom ersten – plus 30 Sekunden zusätzliche Kälte.
Dann sollen die Teilnehmenden wählen, welchen der beiden Durchgänge sie wiederholen würden. 22 von 32 entschieden sich für den längeren. Das sind 69 Prozent.
Wir erinnern keine Summen
Daniel Kahneman, Barbara Fredrickson, Charles Schreiber und Donald Redelmeier beschrieben dieses Experiment in der Fachzeitschrift „Psychological Science“. Es wurde zu einem Grundstein dessen, was heute Peak-End-Regel heißt: Wenn wir ein Erlebnis im Nachhinein bewerten, bilden wir keinen Durchschnitt über die gesamte Dauer. Wir erinnern vor allem zwei Momente – den intensivsten und den letzten.
Die Dauer spielt dabei erstaunlich wenig Rolle. Kahneman nannte das duration neglect: Ob etwas 60 oder 90 Sekunden dauerte, verschwindet in der Erinnerung fast vollständig. Spätere Untersuchungen mit Patientinnen und Patienten bei schmerzhaften medizinischen Untersuchungen zeigten ein ähnliches Muster.
Markentherapie ist keine medizinische Behandlung – aber der Mechanismus der Erinnerung gilt für jede Erfahrung. Auch für die Zusammenarbeit mit Dir.
Dein Kunde bewertet Dich nach dem Projekt
Mich interessiert an diesem Experiment vor allem eine Frage: Wann entscheidet Dein Kunde eigentlich, ob er Dich weiterempfiehlt?
Nicht während der Zusammenarbeit. Sondern danach. Wenn ihn jemand fragt: „Kennst Du jemanden für …?“ In diesem Moment greift er nicht auf ein Protokoll aller Termine zurück. Er greift auf eine Erinnerung zurück. Und die besteht im Wesentlichen aus zwei Momenten.
Viele Unternehmen investieren enorm in den Anfang – in Akquise, Erstgespräch, Angebot. Die Mitte wird solide abgearbeitet. Und das Ende? Das ist oft einfach: eine Rechnung.
Das Letzte, was Dein Kunde von Dir sieht, ist dann eine Zahlungsaufforderung mit Zahlungsziel. Ein Ende, das sich eher nach Abwicklung anfühlt als nach Abschluss.
Gestalte das Ende bewusst
Das kalte Wasser lehrt etwas Unbequemes: Ein gutes Ende kann ein Erlebnis aufwerten, das objektiv gar nicht besser war. Umgekehrt kann ein schwaches Ende eine gute Zusammenarbeit in der Erinnerung verblassen lassen.
Das heißt nicht, dass Du Schwächen überspielen sollst. Es heißt, dass der Abschluss einer Zusammenarbeit Teil Deiner Leistung ist – und nicht der Moment, in dem sie aufhört.
Wie ein bewusst gestaltetes Ende aussehen kann:
- Ein Rückblick statt nur einer Rechnung. Was hat sich verändert? Wo stand Dein Kunde am Anfang, wo steht er jetzt?
- Ein sichtbarer Höhepunkt. Der Moment, in dem das Ergebnis greifbar wird, verdient Aufmerksamkeit – eine Übergabe, ein gemeinsamer Blick auf das, was entstanden ist.
- Ein klarer nächster Schritt. Was kann Dein Kunde jetzt selbst weiterführen? Woran erkennt er, dass es wirkt?
Drei Prüffragen für Deine Kundenführung
1. Was ist das Letzte, was Dein Kunde von Dir erlebt? Und würdest Du wollen, dass er sich genau daran erinnert?
2. Wo liegt der Höhepunkt Deiner Zusammenarbeit? Weiß Dein Kunde, dass es einer ist – oder geht er im Ablauf unter?
3. Ist der Abschluss Teil Deines Angebots? Oder passiert er einfach, wenn die Arbeit erledigt ist?
Die meisten Unternehmen fragen ihre Kunden am Ende, wie zufrieden sie waren. Kaum eines fragt sich vorher, woran sie sich erinnern sollen.
Woran erinnert sich Dein letzter Kunde, wenn jemand nach Dir fragt?